Zum Hauptinhalt springen
Zurück
Der größte Schatz eines Unternehmens sind seine Mitarbeitenden – und den muss man pflegen.
Gerd Hoffmann
Produktmanager und Mitgründer
von Procilon
Interview

Einer, der anpackt – seit 25 Jahren.

Der größte Schatz eines Unternehmens sind seine Mitarbeitenden – und den muss man pflegen.

Gerd, stell dich kurz vor: Wer bist du, was machst du bei Procilon und wie bist du zum Unternehmen gekommen?

Tatsächlich ist es so, dass ich die Firma mitgegründet habe. Die Idee, etwas Eigenes aufzubauen, kam mehr oder weniger von mir, umgesetzt haben wir es dann gemeinsam mit Leuten, die vorher alle in derselben Firma gearbeitet hatten, und einer befreundeten IT-Firma, die von Anfang an dabei war. Ich bin dort aus persönlichen Gründen gegangen, die anderen sind gefolgt. Und dann haben wir Procilon gegründet.
In den 25 Jahren seitdem habe ich viele Stationen durchlaufen: vom Support über Kundeninstallation und -beratung bis zu meiner heutigen Rolle als Produktmanager für AS4.

Vom Forschungsprojekt zum Produkt 

Wie waren damals die Umstände als ihr Procilon aus der Taufe gehoben habt?

Ich war alt genug, um zu wissen, worauf ich mich einlasse – und jung genug, um zu sagen: Ich will das schaffen. Der Gedanke war, im Leipziger Umfeld mit seinen guten Arbeitskräften etwas Neues aufzubauen. Wir haben uns lose zusammengefunden und gesagt: Kommt, das wäre eine Chance.

Ein echter Glücksfall war, dass wir früh über ein Forschungsprojekt des Landes Sachsen in das Thema sichere Kommunikation einsteigen konnten. Da wurden Grundsteine gelegt, Ideen entwickelt, Kryptografie ausprobiert. Wir durften echte Basisforschung betreiben – und das hat richtig Spaß gemacht. Natürlich gab es auch harte Monate. Aber das ist Unternehmerleben, das gehört dazu.

Wenn Plan B der bessere Plan ist

Gibt es einen Moment aus 25 Jahren, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Da muss ich nicht lange überlegen. Es war die Zeit rund um unser AS4-Produkt für die Energiewirtschaft. Wir hatten zwei Jahre geplant, eine Lösung entwickelt – und dann, rund ein halbes Jahr vor dem Launch, haben wir gemerkt: Das wird so nicht funktionieren. Die Performance-Anforderungen, die wir uns selbst gesteckt hatten, wären damit nicht zu erfüllen gewesen.

Die Entscheidung war schmerzhaft, aber eindeutig: alles wegwerfen, neu denken, neu bauen. In einem echten Kraftakt haben wir innerhalb kürzester Zeit eine komplett neue Architektur aus dem Boden gestampft. Das war sicher die anstrengendste Zeit, die ich bei Procilon mitgemacht habe – und gleichzeitig war es eine sehr spannende und lohnende Periode. 

Im Nachhinein war es genau richtig: Mit der alten Lösung hätten wir den Erfolg, den das Produkt dann hatte, gar nicht stemmen können. Wir haben alle internen Ziele übertroffen, viele neue Kunden gewonnen – auch solche, die vorher noch nie etwas mit uns zu tun hatten.

Hätten wir die alte Lösung genommen, hätten wir den Erfolg gar nicht bedienen können.

Menschen machen den Unterschied 

Was hat in dieser Drucksituation den Unterschied gemacht?

Die Menschen, die mitgezogen haben. Du kannst die beste Idee haben – wenn die Leute nach acht Stunden „den Stift fallen lassen“, wird es schwer. Wir hatten in diesem Moment Kolleginnen und Kollegen, die einfach da waren, die mitgemacht haben. Das ist nicht selbstverständlich.

Das gilt nicht nur für Extremsituationen: Der Schatz eines Unternehmens sind seine Mitarbeitenden – und je motivierter sie sind, desto besser wird alles, was daraus entsteht: Entwicklung, Support, Kundenberatung. Das ist kein Kreislauf, der von selbst läuft. Den muss man pflegen.

Der größte Schatz eines Unternehmens sind seine Mitarbeitenden – und den muss man pflegen.

Wachsen, ohne sich zu verlieren

Procilon wächst gerade stark. Wie nimmst du das wahr?

Wachstum ist gut, aber es stellt uns auch vor echte Herausforderungen. Viele Jahre lang waren die Hierarchien bei Procilon flach – man war schnell und unkompliziert beim Geschäftsführer, wenn man etwas klären musste. Das hatte seinen Charme, aber irgendwann ist eine Firma einfach zu groß dafür.

Wachstum bedeutet für mich auch Integration. Wenn schnell viele neue Mitarbeitende ins Unternehmen kommen, darf die Zeit nicht fehlen, diese wirklich mitzunehmen, sie wirklich an Bord zu holen. Das ist eine Aufgabe, die wir ernst nehmen.

Sichere Kommunikation neu gedacht

Wo siehst du die wichtigsten Themen für Procilon in den nächsten Jahren?

Die Kommunikationslandschaft verändert sich – in allen Märkten, in denen wir aktiv sind: Öffentlicher Dienst, Energie, Gesundheit, Finance. Der Gesetzgeber stellt neue Anforderungen, Sicherheitsthemen werden nicht weniger komplex, sondern mehr.

Was ich klar sehe: Die klassische Kommunikation von A nach B wird sich wandeln. Sternförmige Architekturen, in denen ein zentraler Hub Informationen entgegennimmt und sicher verteilt, werden wichtiger. Das ist eine Richtung, bei der wir dabei sind – und bei der ich überzeugt bin, dass wir die richtigen Voraussetzungen mitbringen. Auf dem Erreichten ausruhen ist keine Option.

Heimvorteil mit Substanz

Ist Leipzig der richtige Ort für ein Unternehmen wie Procilon?

Eindeutig, Leipzig hat zwei starke Hochschulen, gute Absolventinnen und Absolventen, Leipzig ist eine Stadt, die Menschen, die Infrastruktur ist gut. Ich könnte nicht sagen, wir müssten unbedingt in Berlin oder München sitzen.

Und ehrlich gesagt: In einer großen Stadt wären wir vielleicht einer von vielen. Hier haben wir die Möglichkeit, in unserer Branche so etwas wie ein Leuchtturm zu sein. Das ist ein echter Vorteil – den wir uns aber auch immer wieder erarbeiten müssen.

Procilon in drei Worten...

Packen wir´s an!